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Haftpflicht · Hersteller · Importeure · Eigenmarken

Produkthaftpflicht für den Mittelstand

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Kurz erklärt

Die Produkthaftpflicht zahlt, wenn ein Produkt, das Sie herstellen, importieren oder unter eigenem Namen verkaufen, einen Menschen verletzt oder fremde Sachen beschädigt. Die erweiterte Produkthaftpflicht deckt zusätzlich reine Vermögensschäden Ihrer Kunden, etwa wenn Ihr Teil verbaut wurde und wieder ausgebaut werden muss. Die Rückrufkostenversicherung zahlt, wenn Sie Ware zurückholen müssen.

Viele Unternehmer denken, Produkthaftung sei ein Thema für Konzerne. Doch das Gesetz unterscheidet nicht nach Größe: Wer ein Produkt aus Asien importiert und unter eigenem Namen in Deutschland verkauft, haftet wie der Hersteller, verschuldensunabhängig und bei Personenschäden ohne Obergrenze.

Wir versichern gezielt den Mittelstand: Händler mit Eigenmarken, kleine und mittlere Hersteller, Zulieferer und Start-ups. Industrie-Großrisiken versichern wir bewusst nicht. Dafür kennen wir die Fragen, die mittelständische Unternehmen wirklich haben.

Persönlich beraten statt Online-Rechner:
Schicken Sie uns Ihre Produktliste und Ihren Umsatz. Wir beschreiben Ihr Risiko beim Versicherer so, dass im Schadenfall keine Fragen offen bleiben.

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Typische Kunden

Drei Beispiele aus dem Mittelstand

Import mit Eigenmarke

Elektronik aus Asien, verkauft unter eigenem Namen

Ein Händler lässt Powerbanks und Ladegeräte in China fertigen und verkauft sie unter seiner Marke in Deutschland. Nach dem Produkthaftungsgesetz gilt er doppelt als Hersteller: als Importeur in die EU und als Quasi-Hersteller mit eigenem Namen auf dem Produkt.

Risiko: Ein überhitzender Akku löst einen Wohnungsbrand aus. Der Geschädigte und sein Gebäudeversicherer halten sich an den Händler, nicht an die Fabrik in Asien.

Hersteller

Gepäckträger und Dachboxen für Autos

Ein mittelständischer Betrieb fertigt Dachträger und Fahrradträger. Seine Produkte sind hohen Kräften ausgesetzt, auf der Autobahn und bei jeder Vollbremsung.

Risiko: Eine fehlerhafte Schweißnaht oder eine missverständliche Montageanleitung, der Träger löst sich bei Tempo 130, ein nachfolgendes Auto wird getroffen. Dann geht es schnell um Personenschäden in Millionenhöhe und um einen Rückruf der ganzen Serie.

Start-up

Lebensmittel und Getränke

Ein junges Unternehmen verkauft Müsliriegel, Saucen oder Limonade, hergestellt bei einem Lohnabfüller und vertrieben über den Handel und den eigenen Shop.

Risiko: Ein nicht deklariertes Allergen, ein Glassplitter oder Schimmel in einer Charge. Neben Schadenersatz droht der Rückruf aus dem Handel, und der Handel stellt seine Kosten dem Start-up in Rechnung.

Aus der Rechtsprechung

Wenn Hersteller und Händler haften

EuGH, Urteil vom 19.12.2024 – C-157/23 („Ford Italia“)

Wer den Namen trägt, haftet wie der Hersteller

Ein Käufer verlangte nach einem Unfall mit fehlerhaftem Airbag Schadenersatz vom Vertriebsunternehmen, nicht vom Werk, das das Auto gebaut hatte. Der Europäische Gerichtshof entschied: Ein Lieferant kann als Hersteller haften, wenn sein Name mit der Marke auf dem Produkt übereinstimmt, auch wenn er selbst nichts produziert hat.

Für den Mittelstand heißt das: Wer Ware unter eigenem Namen oder eigener Marke verkauft, steht für Produktfehler ein wie ein Hersteller.

BGH, Urteil vom 07.06.1988 – VI ZR 91/87

Die zerplatzte Mehrwegflasche

Eine Glasflasche mit kohlensäurehaltigem Getränk zerplatzte und verletzte einen Menschen. Der Abfüller berief sich darauf, man könne nicht beweisen, dass die Flasche schon bei ihm beschädigt war.

Der Bundesgerichtshof entschied zugunsten des Geschädigten: Wer weiß, dass sein Produkt gefährlich werden kann, muss es prüfen und das dokumentieren. Kann er das nicht belegen, muss er beweisen, dass der Fehler nicht aus seinem Betrieb stammt. Ein Urteil, das bis heute jeden Lebensmittel- und Getränkehersteller betrifft.

Beide Urteile zeigen: Im Streitfall geht es oft um Beweise und Zuständigkeit. Genau hier arbeitet der Versicherer für Sie, mit Juristen und Sachverständigen.

Ihr Angebot

Warum es hier kein Preisbeispiel gibt

Bei der Produkthaftpflicht gibt es keinen Pauschalpreis. Ein Lebensmittel-Start-up hat ganz andere Risiken als ein Importeur von Ladegeräten oder ein Hersteller von Dachträgern. Deshalb beschreiben wir jedes Produkt einzeln beim Versicherer und fragen es gezielt an.

Das kostet Sie einmal etwas Zeit, sorgt aber dafür, dass im Schadenfall genau Ihr Produkt versichert ist, und nicht nur „Handel mit Waren aller Art“.

Checkliste

Das brauchen wir für Ihr Angebot

  • Welche Produkte Sie herstellen, importieren oder unter eigenem Namen verkaufen
  • Jahresumsatz, aufgeteilt nach Produktgruppen
  • In welche Länder Sie liefern, besonders USA und Kanada
  • Woher Ihre Ware kommt und ob Ihr Lieferant in der EU sitzt
  • Wie Sie Qualität prüfen: Muster, Prüfberichte, CE, Zertifikate
  • Ob Ihre Teile beim Kunden eingebaut oder weiterverarbeitet werden
  • Bisherige Versicherung und Schäden der letzten Jahre

Der Unterschied

Produkthaftpflicht, erweiterte Produkthaftpflicht und Rückruf

Drei Bausteine, die oft verwechselt werden. Welche Sie brauchen, hängt davon ab, was mit Ihrem Produkt nach dem Verkauf passiert.

Stufe 1

Produkthaftpflicht

Ihr Produkt verletzt einen Menschen oder beschädigt eine fremde Sache. Versichert sind die Personen- und Sachschäden und die Folgekosten daraus, etwa Verdienstausfall oder Schmerzensgeld.

Beispiel: Das Ladegerät überhitzt und setzt den Schreibtisch in Brand.

Meist Teil der Betriebshaftpflicht, bei Importeuren und Herstellern aber genau zu prüfen.

Stufe 2

Erweiterte Produkthaftpflicht

Ihr Produkt verletzt niemanden, verursacht beim Kunden aber einen reinen Vermögensschaden, weil es verbunden, vermischt oder weiterverarbeitet wurde.

Beispiel: Ein Hersteller liefert Relais und Klemmen für Elektroschränke. Sein Kunde baut sie mit vielen anderen Teilen in fertige Schaltschränke ein und verkauft diese weiter. Die Relais sind fehlerhaft: Die ganzen Schränke müssen geöffnet, die Teile ausgebaut, ersetzt und neu geprüft werden.

Versichert sind je nach Vertrag: Verbindungs- und Vermischungsschäden, Weiterver- und -bearbeitungsschäden, Aus- und Einbaukosten, Schäden durch Maschinen mit Ihren Teilen sowie Prüf- und Sortierkosten.

Stufe 3

Produktrückruf

Ihr Produkt ist gefährlich oder fehlerhaft, und Sie müssen es zurückholen, bevor etwas passiert. Diese Kosten zahlt keine Haftpflicht, dafür gibt es eine eigene Rückrufkostenversicherung.

Beispiel: In einer Charge Riegel steckt ein nicht deklariertes Allergen. Kundeninformation, Rücktransport aus dem Handel, Vernichtung und Ersatzware kosten schnell sechsstellige Summen.

Versichert sind je nach Vertrag: Information von Kunden und Behörden, Transport, Prüfung, Vernichtung und die Rückrufkosten Ihrer Abnehmer.

Faustregel: Verkaufen Sie Endprodukte an Verbraucher, reicht oft Stufe 1 plus Rückruf. Liefern Sie Teile, die Ihr Kunde einbaut oder weiterverarbeitet, brauchen Sie die erweiterte Produkthaftpflicht.

Passiver Rechtsschutz

Der Versicherer wehrt unberechtigte Forderungen ab

Nach einem Schaden zeigen oft alle aufeinander: der Händler auf den Hersteller, der Hersteller auf den Zulieferer, der Kunde auf die Montageanleitung. Mit der Produkthaftpflicht müssen Sie diesen Streit nicht allein führen.

Prüfen

Ist die Forderung berechtigt?

Der Versicherer prüft, ob Ihr Produkt überhaupt fehlerhaft war und ob der Schaden daraus entstanden ist, oft mit eigenen Sachverständigen.

Abwehren

Unberechtigte Ansprüche

Überhöhte oder unberechtigte Forderungen wehrt der Versicherer ab, außergerichtlich und vor Gericht. Anwalts-, Gutachter- und Gerichtskosten trägt er.

Zahlen

Berechtigte Ansprüche

Ist die Forderung berechtigt, zahlt der Versicherer den Schaden bis zur vereinbarten Summe, damit Ihr Betrieb weiterlaufen kann.

Rechtslage

Wer als Hersteller gilt, und was sich 2026 ändert

§ 4 ProdHaftG

Hersteller ist nicht nur, wer produziert

Als Hersteller haften auch der Importeur, der Ware in die EU einführt, und jeder, der seinen Namen oder seine Marke auf ein Produkt setzt. Ein Händler haftet, wenn er den Hersteller nicht innerhalb eines Monats benennen kann.

Seit 13.12.2024

Produktsicherheitsverordnung (EU) 2023/988

Für viele Produkte muss es einen verantwortlichen Wirtschaftsakteur in der EU geben. Wer aus Asien importiert oder über Online-Marktplätze verkauft, übernimmt damit oft Pflichten und Haftung des Herstellers.

Ab 09.12.2026

Neue EU-Produkthaftungsrichtlinie

Die Richtlinie (EU) 2024/2853 erweitert die Haftung auf Software und digitale Funktionen und nimmt unter Umständen auch Fulfillment-Dienstleister und Online-Plattformen in die Pflicht. Bestehende Verträge sollten wir deshalb jetzt prüfen.

Darauf achten wir

Das gehört in eine gute Produkthaftpflicht

  • Jedes Produkt ausdrücklich beschrieben, nicht nur „Handel mit Waren“
  • Importe aus Nicht-EU-Ländern und Eigenmarken ausdrücklich eingeschlossen
  • Ausreichende Summe, bei Personenschäden eher 5 oder 10 Mio. € als 3 Mio. €
  • Erweiterte Produkthaftpflicht, wenn Ihre Teile verbaut oder weiterverarbeitet werden
  • USA und Kanada, wenn Ihre Ware direkt oder über Kunden dorthin gelangt
  • Mitversicherte Lieferanten und Lohnfertiger klären, damit es beim Regress keine Lücke gibt
  • Rückrufkosten als eigener Baustein bei Lebensmitteln, Kinderartikeln und Elektronik

Was ist nicht versichert?

Ehrlich gesagt: Das zahlt keine Produkthaftpflicht

  • Die mangelhafte Ware selbst und ihr Austausch, das ist Gewährleistung
  • Rückrufkosten ohne eigenen Rückruf-Baustein
  • Garantie- und Erfolgszusagen, die über das Gesetz hinausgehen
  • Vertragsstrafen, Bußgelder und Geldstrafen
  • Schäden durch bewusst fehlerhafte Produkte oder bekannte Mängel
  • Export in die USA und nach Kanada, wenn er nicht ausdrücklich vereinbart ist
  • Industrie-Großrisiken wie Luftfahrt, Pharma, Medizinprodukte oder Automobil-Serienteile, die wir bewusst nicht versichern

Häufige Fragen

Fragen zur Produkthaftpflicht

Ist die Produkthaftpflicht nicht schon in meiner Betriebshaftpflicht enthalten?

Oft ja, aber meist nur für Personen- und Sachschäden und nur für die Tätigkeit, die im Vertrag steht. Importe, Eigenmarken, Lieferungen in die USA und die erweiterte Produkthaftpflicht sind häufig nicht oder nur begrenzt dabei. Wir prüfen Ihren Vertrag gern.

Ich verkaufe nur, ich stelle nichts her. Hafte ich trotzdem?

Ja, in vielen Fällen. Wer Ware in die EU importiert oder seinen Namen oder seine Marke auf das Produkt setzt, gilt nach § 4 Produkthaftungsgesetz als Hersteller. Und jeder Händler haftet, wenn er den Hersteller nicht innerhalb eines Monats benennen kann.

Was ist der Unterschied zwischen Produkthaftpflicht und erweiterter Produkthaftpflicht?

Die Produkthaftpflicht zahlt, wenn Ihr Produkt einen Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt. Die erweiterte Produkthaftpflicht zahlt reine Vermögensschäden Ihrer Kunden, etwa wenn Ihre fehlerhaften Teile in deren Produkte eingebaut wurden und wieder ausgebaut werden müssen, oder wenn Ihr Material mit anderem vermischt wurde und das Endprodukt unbrauchbar ist.

Zahlt die Produkthaftpflicht auch einen Rückruf?

Nein. Rückrufkosten sind kein Haftpflichtschaden, weil noch niemand geschädigt wurde. Dafür gibt es eine eigene Rückrufkostenversicherung, die wir gezielt dazu anfragen.

Warum gibt es kein Preisbeispiel?

Weil jedes Produkt anders ist. Der Beitrag hängt von Produktart, Umsatz, Lieferländern, Herkunft der Ware und Qualitätssicherung ab. Wir beschreiben Ihr Risiko beim Versicherer einzeln, dann bekommen Sie einen Preis, der wirklich zu Ihrem Produkt passt.

Ich verkaufe über Amazon. Brauche ich eine besondere Versicherung?

Amazon verlangt ab einem bestimmten Umsatz einen Nachweis über eine Betriebshaftpflicht mit Produkthaftpflicht. Mehr dazu auf unserer Seite Webshops & Online-Händler.

Was ändert die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie?

Für Produkte, die ab dem 9. Dezember 2026 in Verkehr gebracht werden, gilt ein erweitertes Haftungsrecht: auch Software und digitale Funktionen können fehlerhafte Produkte sein, und neben Herstellern und Importeuren können unter Umständen auch Fulfillment-Dienstleister haften. Sprechen Sie uns an, wir prüfen, ob Ihr Vertrag dazu passt.

Fachlich geprüft von Rainer Epbinder
Versicherungsmakler · Stand: 10/2026

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